36 Grad im Kursraum. Selbstgebaute Klimaanlage aus UZH-Ventilator und feuchtem Tuch. Kühler Kopf trotzdem Pflicht, weil es genau darum ging.

Das Wichtigste in 30 Sekunden:

→ Schlechte Führung kommt selten von schlechten Menschen. Sie kommt von Druck. Oft hausgemacht.

→ Vier Hebel, die heute im Kurs durchgingen: Ärger auffangen, Richtung zeigen, Menschen wachsen lassen, aufhören auszusitzen.

→ Am Ende lief alles auf eine Sache hinaus: Kommunikation. Nicht als Floskel, als Werkzeug.

Diese Woche: PhD-Leadership-Skills-Kurs am UZH Graduate Campus. 36 Grad im Raum. Ich habe mir eine Klimaanlage gebaut, Ventilator plus feuchtes Tuch. Geschwitzt wurde trotzdem. Gedacht auch, und zwar scharf.

Ein Satz zog sich durch den ganzen Tag, und ich schreibe ihn hier bewusst gross hin:

Schlechte Führung kommt selten von schlechten Menschen. Sie kommt von Druck. Oft hausgemacht. Kann man vielleicht ändern.

Das ist keine Ausrede für schlechte Chefs. Es ist eine Diagnose. Wer versteht, dass hinter den meisten Führungsfehlern kein Charakterdefekt steckt, sondern Druck, ein System, eine Erwartung, hat plötzlich einen Hebel. Charakter kann man schwer ändern. Druck schon.

Vier Dinge, die heute durchgingen

1

Ärger auffangen, bevor er hochkocht

Nicht schlucken, nicht explodieren. Den Ärger früh bemerken und ihm eine Form geben, bevor er das Team erreicht. Führung heisst hier: Puffer sein, nicht Verstärker.

2

Die Richtung zeigen, auch wenn man selbst unsicher ist

Sicherheit vorspielen muss niemand. Aber eine Richtung geben, auch im Nebel, das ist die Aufgabe. Menschen folgen keiner perfekten Antwort, sie folgen einer klaren Bewegung.

3

Leute wachsen lassen, statt sie zu reparieren

Der Reflex, Menschen zu «fixen», übersieht das Offensichtliche: Die meisten wachsen, wenn man ihnen Raum und Zutrauen gibt. Reparieren macht klein. Wachsen lassen macht stark.

4

Aufhören, Dinge auszusitzen

Darauf lief am Ende alles hinaus. Das unbequeme Gespräch, die überfällige Entscheidung, der Konflikt im Team, was man aussitzt, wird selten kleiner. Es wächst im Stillen. Ansprechen ist fast immer der billigere Weg.

«Kommunikation ist der Schlüssel». Genau das.

Klingt nach Kalenderspruch. Ist aber der Kern. Alle vier Punkte oben sind im Grunde Kommunikation: Ärger auffangen ist Kommunikation. Richtung zeigen ist Kommunikation. Wachsen lassen ist Kommunikation. Und Aussitzen ist die Abwesenheit davon.

Ich hatte richtig «de Plausch» mit diesen offenen, neugierigen Menschen. Ein paar haben mir nach der Mittagspause sogar einen Eiskaffee mitgebracht, bei 36 Grad das schönste Kompliment des Tages.

Die eine Frage, die bleibt:

Was sitzt du gerade aus? In der Führung, im Team? Der Punkt, den du kennst, aber seit Wochen umgehst, ist meistens genau der, an dem Bewegung entstehen würde.

Was sitzt bei Ihnen gerade fest?

30 Minuten, kein Verkaufsgespräch. Sie erzählen, wo es in Führung oder Team klemmt. Ich höre zu, dann Klartext. Oft ist das, was aussieht wie ein Personenproblem, ein Druckproblem, und das lässt sich ändern.

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