Man reflektiert, gewinnt eine Erkenntnis, fasst einen Plan. Und wenige Tage oder Wochen später ist das alte Muster zurück. Mir geht es oft so. Vielleicht Ihnen auch.

Das Wichtigste in 30 Sekunden:

→ Einstellung und Absicht zu ändern reicht nicht — dazwischen liegt die «Intentions-Verhaltens-Lücke».

→ Verhalten braucht drei Bedingungen gleichzeitig: Können × Gelegenheit × Motivation (COM-B-Modell).

→ Fehlt eine davon, bleibt das Verhalten aus.

→ In der Praxis wird fast nur an der Motivation gearbeitet — Können und Gelegenheit bleiben links liegen. Genau da scheitert Veränderung.

Die Intentions-Verhaltens-Lücke

Das eigene Verhalten zu ändern ist schwer — privat wie beruflich. Man hat reflektiert, etwas erkannt, sich etwas vorgenommen. Und dann hält es ein paar Tage. Vielleicht ein paar Wochen. Dann ist das alte Muster zurück.

Die Sozialpsychologie nennt das die Intentions-Verhaltens-Lücke. Selbst wenn Sie Ihre Einstellung und Absicht ernsthaft ändern wollen, übersetzt sich das oft nicht ins tatsächliche Verhalten (Conner & Norman, 2026). Der gute Vorsatz allein bewegt wenig.

Drei Bedingungen: das COM-B-Modell

Etwas vereinfacht — aber im Kern stimmt es: Nach dem COM-B-Modell (Michie et al., 2011) braucht Verhalten drei Bedingungen, die zusammenkommen müssen.

1

Können (Capability)

Sie müssen das neue Verhalten konkret ausüben und zeigen können — Wissen, Fähigkeit, Routine. Ohne das Können nützt der beste Wille nichts.

2

Gelegenheit (Opportunity)

Sie brauchen ein Umfeld, das das Verhalten überhaupt zulässt: Strukturen, Zeit, Anlässe. Ohne Gelegenheit bleibt das Können ungenutzt.

3

Motivation

Wille und Haltung. Der Teil, an dem in der Praxis fast immer angesetzt wird — und der allein am wenigsten trägt.

Verhalten = Können × Gelegenheit × Motivation. Mal, nicht plus: Fehlt ein Faktor, ist das Ergebnis null.

Was das für Führungs- und Organisationsentwicklung heisst

In Führungs- und Organisationsentwicklungen setzt man oft an der Motivation an. Workshops, Impulse, Appelle. Können und Gelegenheit schaut man sich kaum genau an — und vertraut darauf, dass es schon klappen wird.

Tut es meistens nicht. Es braucht die richtigen Strukturen, damit Menschen das neue Verhalten überhaupt zeigen können. Und es braucht genügend Gelegenheiten — zum Üben, zum Zeigen, zur Wiederholung. Sonst verpufft die beste Absicht im Alltag.

«Umsetzung» heisst bei mir: dran sein und üben, bis es steht. Nicht, bis das Konzept steht.

Hand aufs Herz

Wie viele Veränderungen in Ihrer Firma sind nach kurzer Zeit im Berufsalltag noch sichtbar? Wenn die ehrliche Antwort «wenige» lautet, liegt es selten an fehlendem Willen. Meist fehlt Können oder Gelegenheit — und niemand hat hingeschaut.

Quellen

Conner, M., & Norman, P. (2026). Attitudes, intentions, and behavior change. Annual Review of Psychology, 77, 311–337.

Michie, S., van Stralen, M. M., & West, R. (2011). The behaviour change wheel: A new method for characterising and designing behaviour change interventions. Implementation Science, 6, 42. doi.org/10.1186/1748-5908-6-42

Veränderung, die bleibt.

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