Ich nutze KI gerne bei simplen Dingen wie Planung und Organisation. Mir gehen zugegebenermassen weniger Termine durch die Lappen. Das empfinde ich als sehr entlastend.

Das Wichtigste in 30 Sekunden:

→ Dieselbe KI kann entlasten oder belasten — abhängig von zwei Fragen, nicht vom Tool selbst.

→ Frage 1: Habe ich das selbst gewählt, oder wurde es für mich entschieden?

→ Frage 2: Übernimmt die KI die Aufgabe, oder arbeiten wir zusammen?

→ Bakker et al. (2026) legen diese Matrix über das bewährte Job-Demands-Resources-Modell — KI kann Anforderungen erhöhen oder senken, Ressourcen aufbauen oder abbauen.

→ Wer wenig Ressourcen und Zeit hat, gerät leicht in eine «Verlustspirale»: zu wenig Kapazität, um KI sinnvoll zu nutzen — und fällt weiter zurück.

Ich habe damit Ressourcen für anderes und weniger Planungsstress. Zum Beispiel in der Abstimmung von Terminen oder einfach in der Planung und Abfolge. Selbstbestimmt, eine positive Mensch-Technik-Kombination.

Die zwei Fragen, die den Unterschied machen

Genau das beschreiben Arnold Bakker und Kollegen (2026), indem sie das Job-Demands-Resources-Modell über eine 2×2-Matrix legen. Stark vereinfacht: KI kann Entlastung oder Belastung bedeuten. Sie kann Anforderungen erhöhen oder reduzieren, Ressourcen aufbauen oder abbauen. Es kommt auf zwei Fragen an:

Habe ich das selbst gewählt, oder wurde es für mich entschieden? Und: Übernimmt die KI die Aufgabe, oder arbeiten wir zusammen?

Diese beiden Achsen entscheiden, ob dieselbe Technologie in zwei Teams völlig unterschiedlich wirkt — nicht das Tool selbst.

Ein Beispiel aus der Praxis

Im Berufsalltag merke ich das, wenn ich mit Kunden Berichts- und Informationssysteme aufsetze, um die Kommunikation standortübergreifend zu verbessern. Durch Strukturbeispiele wird mittels KI auch denjenigen geholfen, die sich nicht so eloquent und kompakt ausdrücken können, deren Informationen und Entscheidungsgrundlagen aber sehr wohl stimmen. Es macht die Sache für alle Beteiligten lesbarer, vergleichbarer.

Das entlastet zum Beispiel Standortleitende, weil Information und Berichte nicht per se als Kernaufgabe verstanden werden. Wenn man dann merkt, dass Information schnell optimiert und aufbereitet wird — und positives Feedback dazu kommt —, hilft das mehreren Personen in der Abstimmung und Zusammenarbeit. Auch das: selbstbestimmt, Mensch-Technik-Kombination.

Wenn es nicht klappt

Stressig wird es, wenn die Nutzung nicht funktioniert. Eine eloquent klingende Ferienpackliste, die man dann doch korrigieren muss. Selbstbestimmt, automatisiert — aber nervig. Wobei: Vielleicht waren einfach der Prompt und die Kontextinformation ungenau. «Ferien am Meer» ist ein Unterschied, vor allem zwischen Nordsee und Mittelmeer.

Der Grund: KI kennt die Zwischentöne, die Nuancen, das Ungesagte zwischen den Zeilen nicht. Im Beruf ist das genauso. Man hat dann Mehrarbeit statt Entlastung.

Wer wenig Ressourcen hat, hat auch wenig Kapazität, KI sinnvoll zu nutzen — und fällt weiter zurück.

Die Verlustspirale

Der eigentliche Punkt ist: Man muss Zeit haben, sich Zeit nehmen können, um die positiven Folgen von KI-Nutzung überhaupt zu generieren. Wenn man keine Zeit hat, unter Druck steht, dann erlebt man den Prozess vermutlich als nicht sonderlich gewinnbringend. Es wird zur Belastung.

Bakker und Kollegen nennen das eine Verlustspirale: Wer wenig Ressourcen hat, hat auch wenig Kapazität, KI sinnvoll zu nutzen — und fällt dadurch weiter zurück. Das trifft tendenziell genau jene Teams, die eine Entlastung am nötigsten hätten.

KI ist ein Job-Design-Thema

KI kann sehr helfen. Richtig genutzt kann sie eine Ressource sein. Verlässt man sich nur noch auf sie oder investiert an der falschen Stelle, wird sie zur Anforderung — zur Bürde. Der Unterschied entscheidet sich nicht am Tool, sondern an der Frage, wie viel Wahlfreiheit und wie viel Zeit zur Reflexion ein Team bekommt.

Eine Frage zum Weiterdenken:

Wie viel Zeit bekommen Mitarbeitende eigentlich, um selbst herauszufinden, was für sie funktioniert und was nicht? Genau das entscheidet, auf welcher Seite der Matrix ein Team landet.

Was das für Schweizer Organisationen heisst

In kleineren Organisationen wird KI-Einführung oft nebenbei entschieden — ein Tool wird verteilt, die Nutzung bleibt jedem selbst überlassen. Genau das ist nach dem JD-R-Modell riskant: Ohne Wahlfreiheit und ohne Zeit zum Ausprobieren rutscht ein Team eher in die Verlustspirale als in die Entlastung.

Was hilft, ist keine grosse Initiative. Es reicht, sich bewusst zwei Fragen zu stellen, bevor ein Tool eingeführt wird: Können die Betroffenen mitentscheiden, ob und wie sie es nutzen? Und übernimmt die KI eine Aufgabe komplett, oder bleibt es Zusammenarbeit? Diese Klarheit entscheidet oft mehr über den Erfolg als die Wahl des Tools selbst.

Quellen

Bakker, A. B., Junker, T. L., Scharp, Y. S., & Černe, M. (2026). Artificial intelligence and job design: Insights from job demands–resources theory. Technology in Society, Article 103533.

Wie geht ihr mit KI im Team um?

30 Minuten, kein Verkaufsgespräch. Sie erzählen, wo KI bei Ihnen entlastet und wo sie eher belastet. Ich höre zu, dann Klartext.

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