Das Wichtigste in 30 Sekunden:
→ Die impulsive, ungeduldige Seite von ADHS treibt unternehmerisches Handeln an — garantiert aber keinen Erfolg. Über den Erfolg entscheidet das Umfeld (Tran et al., 2025).
→ 15–20% der Belegschaft sind neurodivergent. Die Guten halten eine Weile aus — dann gehen sie.
→ Fluktuation kostet 1–2× das Jahresgehalt. Pro Person.
→ Störung oder Variation der Natur? Die Forschung sagt: beides. Was zählt, ist Passung.
Ein Mustang im Korsett
Dabei wusste ich früh: Ich muss mich selbständig machen. Also: ich musste. Weil ich überall aneckte. Zu schnell. Zu direkt. Zu ungeduldig für Prozesse, die keinen Sinn machten – aber «Norm» sind, weil mans «so macht».
Lange hielt ich das für einen Makel. Heute weiss ich: Es war mein Notausgang.
Andere Gehirn-Kultur
ADHS bringt mir oft einen Vorteil. Ich vernetze raketenschnell, sehe Dinge anders – und komme oft zu besseren Ergebnissen. Und ich bin empathisch. Fast alle ADHSler, die ich kenne, sind das. Weil man weiss, wie es ist, im falschen Film zu sein. Andere Gehirn-Kultur. Man kann ja übersetzen. Mache ich auch.
Was die Forschung zeigt
Eine neue Meta-Analyse von Tran et al. (2025) — 298 Effekte aus 47 Studien — zeigt zwei Seiten einer Medaille:
Antrieb
Exakt die impulsive, ungeduldige Seite von ADHS treibt unternehmerisches Handeln an. Man gründet eher. Man startet eher. Mut. Power. Motivation.
Erfolg
Und das sagt leider niemand: Sie garantiert keinen Erfolg. Die Power, die Motivation ist da. Über den Erfolg entscheidet das Umfeld.
Menschen wie ich gehen selten aus Firmen, weil mit ihnen etwas nicht stimmt. Sie gehen, weil das Umfeld nicht passt. Weil das vorgehalten wird. Und die Festanstellung, wie wir sie kennen, ist meiner Meinung nach etwas aus dem Industriezeitalter. Da kann man echt optimieren. Es muss nicht immer genau so sein.
15–20% sind neurodivergent — und sie gehen
15–20% der Belegschaft sind neurodivergent. ADHS. Autismus. Dyslexie. Sie kennen sicher jemanden. Man sagt es nur nicht aus Sorge. (Ich schon. Flucht nach vorne.) Die Guten halten eine Weile aus. Dann gehen sie. Oder werden mit viel höherer Wahrscheinlichkeit gegangen als andere.
Fluktuation kostet 1–2× das Jahresgehalt. Pro Person. Sie haben dann nicht einen schwierigen Mitarbeitenden verloren. Sie haben wahrscheinlich einen Guten verloren – an ein System, das nicht für die Person gebaut war. In einem anderen Quartal passiert es dann wieder.
Störung oder Variation der Natur?
Die Forschung sagt eher: Störung. Die Neurodivergenz-Bewegung sagt: nur Variation, das Umfeld soll sich anpassen – und redet dabei das echte Leiden weg. Die harten Seiten. Die Forschung dazu aktuell: beides. Störung und Variation im menschlichen Spektrum. Auch die wahrscheinlichste Variante.
Welches Etikett am Ende draufsteht? Mir egal. Was zählt, ist Passung. Mehr Performance.
Wie viele, die anders ticken, hat Ihre Organisation schon verloren – ohne zu merken, dass nicht sie das Problem waren, sondern das Umfeld?
Quellen
Bölte, S. (2025). Social cognition in autism and ADHD. Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 169, Article 106022.
Doyle, N. (2020). Neurodiversity at work: A biopsychosocial model and the impact on working adults. British Medical Bulletin, 135(1), 108–125.
Tran, M. H., Wiklund, J., Antshel, K., Jhawar, N., & Montgomery, C. (2025). Entrepreneurship and ADHD: A meta-analytical assessment of the state-of-the-art and suggestions for the future. Entrepreneurship Theory and Practice. Advance online publication. https://doi.org/10.1177/10422587251392498
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